Generative Werkzeuge sind in redaktioneller Arbeit angekommen. Die interessante Frage ist längst nicht mehr, ob sie eingesetzt werden, sondern ob jemand darüber spricht.
Die vier Fragen
1. Welche Schritte sind maschinell?
Recherche, Gliederung, Rohfassung, Überarbeitung, Überschriften, Zusammenfassungen – die Bandbreite ist groß, und jeder Schritt bedeutet etwas anderes. Eine maschinell erstellte Gliederung ist etwas anderes als ein maschinell geschriebener Fachtext.
Wer das benennen kann, hat einen Prozess. Wer ausweicht, hat einen.
2. Wer prüft die Aussagen?
Der wichtigste Punkt. Generative Werkzeuge erzeugen sprachlich einwandfreie Sätze, die falsch sein können – Zahlen, Jahreszahlen, Zuschreibungen. Das fällt beim Lesen nicht auf, weil nichts holpert.
Faktenprüfung wird dadurch nicht unwichtiger, sondern zur eigentlichen redaktionellen Leistung. Ein Anbieter, der sie nicht einplant, verkauft ein Risiko.
3. Wie wird gekennzeichnet?
Eine allgemeine Kennzeichnungspflicht für redaktionelle Texte besteht in Deutschland derzeit nicht. Trotzdem entscheiden sich immer mehr Häuser für einen Hinweis – meist knapp, im Sinne von: unterstützt erstellt, redaktionell geprüft, Verantwortung bei einer benannten Person.
Das ist keine Selbstanklage. Es ist dieselbe Logik wie bei der Autorennennung: Wer sagt, wie er arbeitet, ist überprüfbar.
4. Was passiert mit den Unterlagen?
Die Frage, die am häufigsten übersehen wird. Wenn eine Agentur interne Unterlagen, unveröffentlichte Zahlen oder Kundendaten in ein externes Werkzeug gibt, verlassen diese Daten das Haus.
Zu klären ist: Welches Werkzeug, wo wird verarbeitet, gibt es eine Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung, werden Eingaben zum Training verwendet? Bei personenbezogenen Daten ist das keine Stilfrage.
Was in eine Vereinbarung gehört
- welche Arbeitsschritte unterstützt werden dürfen
- welche Unterlagen nicht in externe Werkzeuge gegeben werden
- wer die fachliche Prüfung übernimmt und mit welchem Ergebnis
- ob und wie gegenüber Lesenden gekennzeichnet wird
- wer die inhaltliche Verantwortung trägt
Fünf Punkte, eine halbe Seite. Sie ersparen die Diskussion, die sonst nach dem ersten Fehler geführt wird.
Beide Enden sind vertretbar
Ein Haus, das konsequent ohne generative Werkzeuge arbeitet, ist glaubwürdig. Ein Haus, das offen damit arbeitet und die Prüfschritte benennt, ebenfalls.
Nicht glaubwürdig ist das Schweigen – und es ist bemerkenswert, wie viele Anbieter sich dafür entscheiden, obwohl ihre Kundschaft die Frage längst stellt.